Rosenau - Lokalität & Bühne in Stuttgart

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LIEBES PUBLIKUM, WERTE GÄSTE,

an dieser Stelle schreiben aus berufenem Munde unsere Künstler das Vorwort für unser Programmheft. Dieses Mal kommen die einleitenden Worte von Nektarios Vlachopoulos. Und ich freue mich, Sie schon bald wieder in der Rosenau zu begrüßen.
Ihr Michael Drauz!

Nektarios Vlachopoulos

Liebste Rosenau,

während ich Dir diese Zeilen schreibe, zieht ein finsterer Wolkenteppich über die namenlose Großstadt, in der ich mein gegenwärtiges Lager aufgeschlagen habe. Die Reise war lang und beschwerlich. Wir haben viele gute Männer verloren. Und doch treibt mein tumbes Herz mich immerzu umher. Hätte ich auch was von all den Wundern und Schrecken geahnt, die das Schicksal einem vagabundierenden Taugenichts wie mir bereiten sollte, ich fürchte, ich hätte mich auch dann nicht anders entscheiden können als für dies tollkühne Leben im Dienste der kleinen Künste. Und weiß Gott, ich habe Wunder und Schrecken erlebt! Von den prächtig dekadenten Marmorbühnen der Kulturförderung, die, persischen Tempeln gleich, in Gold und Lapislazuli die ernsten Minen ihrer feinen Bildungsbürger erhellen bis hin zu den grässlichen Eingeweiden des deutschen Comedy-Tartaros, in denen jene, die den einfachsten Weg gewählt, auf ewig im fauligen Gestank des alten Herrenwitzes rotten werden.

Doch wo immer ich auch spiele, liebste Rosenau, sehe ich am Ende immer nur Dich, die Du mir das Licht des Himmels schenktest. Die Du mich mit Nektar und Ambrosia speistest und mir, Findelkind, das ich war, zugleich einen Sinn und eine Heimat botest. Zu wem ich auch spreche, liebste Rosenau, am Ende ist es immer nur Dein Lachen, das ich höre. Das mich der Sirenen Gesänge gleich verzaubert und, so es die Götter wollen, mich nicht an den Felsen des Misserfolgs zerschellen, sondern unversehrt zu dir zurück geleiten wird. Ich weiß, es wird nicht lange dauern, denn ich habe es im Veranstaltungskalender gelesen. Bis dahin tröste ich mich mit den Erinnerungen an all die schönen Abende, die wir geteilt, liebste Rosenau.

Bitte grüß mir meine frechen Knaben Simon und Jan. Richte dem alten Quichotte aus, er möge seine Schnauze niemals zügeln. Und küss mir die Anna Mateurs, die Malmsheimers, die Bomelinos, die Bockhorsts und all die anderen wunderlichen Geschöpfe, die Du über die Jahre um Deinen Schoß geschart. Sei Dir gewiss, dass sie Deine arkadische Weide des Frohsinns ebenso verehren wie es Deine abertausend einkehrenden Gäste tun. Eben so wie ich es tue.

In ewig dir ergebener Treue

Nektarios Vlachopoulos

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